Seerechtsexperte fordert verstärkte MLC 2006-Durchsetzung nach BlueRights-Konferenz
Prof. Dr. Senka Šekularac-Ivošević hat nach der BlueRights International Conference on the Protection of Health at Sea im März umfassende Lösungen zur Schließung von Durchsetzungslücken im Seearbeitsübereinkommen gefordert. Die Seerechtsexpertin identifizierte Fälle von Besatzungsaufgabe und unzureichenden Schutz der Menschenrechte von Seeleuten als anhaltende Herausforderungen, die sofortige Aufmerksamkeit erfordern.
Die Konferenz beleuchtete systemische Versäumnisse bei der Umsetzung der MLC 2006-Bestimmungen, insbesondere in den Bereichen medizinische Versorgung, Rückführung und Lohnschutz. Aktuelle Branchendaten zeigen einen Anstieg der Besatzungsaufgabe-Vorfälle um 23% seit 2020, wobei über 400 Schiffe in der Datenbank der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation gemeldet wurden, weil sie Seeleute ohne Bezahlung oder Versorgung zurückgelassen haben.
Šekularac-Ivošević betonte, dass aktuelle Hafenstaatkontrollmechanismen keine Koordination zwischen Flaggenstaaten, Hafenbehörden und Arbeitsorganisationen aufweisen. Die BlueRights-Initiative, die von maritimen Interessengruppen in ganz Europa ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, standardisierte Protokolle für den Gesundheitsschutz auf See zu etablieren und die Durchsetzung bestehender Arbeitsstandards zu stärken.
Die Konferenzergebnisse werden der Maritimen Tagung der Internationalen Arbeitsorganisation im Oktober vorgelegt, mit vorgeschlagenen Änderungen zur Verschärfung von Strafen für MLC-Verstöße und Erweiterung der Hafenstaatkontrollbefugnisse über arbeitsbezogene Festhaltungen.